Mittwoch, 17. Juni 2026

Nach den heftigen Gewittern gibt es viel loses Totholz und umgestürzte Bäume können Wege versperren. Bitte seien Sie vorsichtig und rasten Sie nicht unter dürren Bäumen.

Aufgrund der andauernden Hitzewelle und Trockenheit herrscht im Kanton Zürich erhebliche Waldbrandgefahr (Stufe 3 von 5). Wir bitten Sie, im Sihlwald kein Feuer zu machen. Im Tierpark dürfen Sie die markierten Feuerstellen benutzen. Bitte löschen Sie das Feuer immer vollständig.

Tschüss Fichte!

Die Rottannen sterben ab.

Im Moment lässt sich im Sihlwald ein historisches Ereignis beobachten: Die Rottannen sind am Absterben. Wer den Sihlwald regelmässig besucht, merkt deutlich: Hier passiert etwas!

Mittwoch, 17. Juni 2026

Ein Spaziergang durch den Sihlwald zeigt: Die Rottannen sind am Absterben. Überall stehen dürre Stämme; zahlreiche Bäume liegen längst am Boden. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig: Die Fichte – so wird die Rottanne auch genannt – wurde im Mittelland künstlich eingebracht. Von Natur her, wächst sie in höheren Lagen. Hitze und Trockenheit verträgt diese Baumart jedoch schlecht, die Klimaerwärmung bereitet ihr zusätzlichen Stress. Die Auswertung von Satellitenaufnahmen zeigt: Seit 2018 sind im Sihlwald über dreissig Prozent der Rottannen abgestorben.

Laubbäume ersetzen Rottanne

"Dieses Absterben bringt Licht, Wasser und Nährstoffe für Neues. Auf Waldflächen mit viel Licht wachsen zuerst Pioniere: zum Beispiel Holunder, Hasel, Weide und Birke. Später setzen sich je nach Höhenstufe standortgerechte Baumarten wie Berg- und Spitzahorn, Buche oder Weisstanne durch" erklärt Isabelle Roth, Leiterin des Bereichs Naturwald im Wildnispark Zürich, "das zeigen die Erfahrungen der letzten 25 Jahre."  

Auch eine aktuelle Bachelor-Arbeit der Berner Fachhochschule bestätigt diese Prognose. Anne Wenk hat 2025 untersucht, welche Jungbäume und Keimlinge auf abgestorbenen Fichtenflächen im Sihlwald zu finden sind. Es zeigt sich: Rottannen wachsen im Moment praktisch keine nach.

Die Fichte kommt, die Fichte geht…

Im 19. Jahrhundert waren die Wälder in der Schweiz in einem desolaten Zustand. Die bewaldete Fläche war nur halb so gross wie heute, und dort wo noch Wälder standen, war der Baumwuchs spärlich. In den Alpen wurden ganze Bergrücken entwaldet, um Brenn- und Bauholz zu gewinnen. Im Mittelland trieben die Bauern ihre Schafe und Ziegen zum Weiden in die Wälder. Erst das strenge Forstpolizeigesetz von 1876 und das Waldgesetz von 1898 bereiteten dem Raubbau ein Ende.

Vor allem im Mittelland begannen die Waldbesitzer, im grossen Stil die eigentlich voralpine Rottanne zu setzen – eine schnell wachsende Baumart, deren Holz vielseitig verwendbar ist. Im Sihlwald lieferte sie Bauholz für die Stadt Zürich.

Das Absterben ermöglicht neues Leben

Doch heutzutage ist der Sihlwald das grösste Naturwaldreservat des Mittellands und ein Park von nationaler Bedeutung. Seit 25 Jahren darf er sich frei entwickeln und in eine Wildnis verwandeln.

"Es ist auch für mich erstaunlich, wie schnell sich das Gebiet verändert hat", erklärt Roth. An vielen Stellen ist immer noch erkennbar, dass der Sihlwald stark genutzt wurde, doch heute lassen sich bereits urwaldähnliche Strukturen beobachten: Wie in einem Mosaik wechseln sich dunkle Waldabschnitte und lichte Flächen mit wenig Bäumen ab. Umgestürzte Bäume liegen wie ein übergrosses Mikadospiel am Boden, vereinzelt verwandeln sich die Wurzelstöcke in Erdhügel. Das Wald-Recycling ist gestartet. Frischer, nährstoffreicher Boden steht für Jungbäume zur Verfügung. Roth: "Für die Biodiversität ist die dynamische Entwicklung des Waldökosystems Sihlwald ein Gewinn!"

Naturinteressierte haben die Gelegenheit, Augenzeuge einer eindrücklichen Verwandlung zu werden. "Ich lade alle herzlich dazu ein, sich mindestens zwei Termine für Wanderausflüge im Sihlwald in die Agenda einzutragen. Den im Verlauf der nächsten paar Wochen und den zweiten im Wald der Zukunft, zum Beispiel im Jahr 2040", sagt Roth mit einem Schmunzeln. "Es wird spannend sein zu sehen, ob noch Rottannen stehen, und welche Büsche und Bäume sich einen Platz erobert haben."

Foto: Dominique Meienberg / Zürcher Wanderwege, Via Natura

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