Biber: Vom Wildnispark nach Biberbrugg?
Der grosse Nager erobert die Sihl
Im Kanton Zürich leben rund 520 Biber in 165 Revieren, das zeigte das neuste Bibermonitoring. Der Bestand wächst, vorwiegend im südlichen Kantonsteil. Neue Biberreviere gibt es beispielsweise entlang der Sihl und der Limmat.
Vor 200 Jahren verschwand der Biber wegen intensiver Bejagung aus der Schweiz. Dank Wiederansiedlungsprojekten zwischen 1956 und 1977 hat sich der Bestand wieder erfreulich entwickelt. Heute leben hierzulande knapp 5'000 Tiere.
Mehr Biber im Kanton Zürich
Im Kanton Zürich gibt es rund 520 Biber, die sich auf gut 165 Reviere verteilen, wie die neuste Erhebung des Kantons im Winter 24/25 zeigte. Der Bestand hat sich seit 2008 verdreifacht. In den letzten fünf Jahren ist der Zuwachs etwas abgeflacht, weil die Revierdichte im Norden des Kantons bereits hoch und das Lebensraumpotenzial ausgeschöpft ist.
Rückeroberung der Sihl
Nun breitet sich der Biber zunehmend in den südlichen Kantonsteil aus, wo er bis vor kurzem kaum nachgewiesen wurde. In den letzten Jahren sind jedoch viele neue Reviere dazugekommen – so etwa entlang der Sihl und der Limmat. Auch am Zürichsee entstanden bei Wollishofen und Meilen neue Biberreviere. Trotz der stark verbauten Ufer gibt es vor allem in den Schilfgürtelbereichen weiterhin geeignete Lebensräume für das grösste Nagetier Europas. Dreissig Kilo schwer und 1.30 Meter lang kann ein ausgewachsenes Tier werden.
Bereicherung für den Wildnispark Zürich
Seit Anfang 2024 lebt ein Biberpaar auf dem Areal des Wildnispark Zürich in Sihlwald. Wer von der Besucherkanzel der Fischotteranlage in Richtung Fluss blickt, kann den Eingang des Baus gut erkennen. Von der Sitzbank auf der anderen Flussseite lassen sich die Nager ebenfalls beobachten – vor allem in den Dämmerungsstunden. Ein Feldstecher ist dabei nützlich. Im vergangenen Jahr waren sogar Jungtiere zu sehen.
Aber Achtung! Biber und Biberburgen sind in der Schweiz geschützt. "Man sollte immer genug Abstand halten", erklärt Nicole Aebli, Rangerin im Wildnispark Zürich. "Da Biber graben, kann man mit seinem Gewicht die Höhlen leicht zerstören und sich selber dabei verletzen."
Biber fördern die Biodiversität
Der Biber gilt als emsiger "Baumeister der Natur". Er gestaltet die Landschaft und fördert damit die Biodiversität. Wo er sich niederlässt, verdoppelt sich die Artenvielfalt und auch die Anzahl der Tiere und Pflanzen steigt. Die Lebensräume, die er schafft, helfen bei der Rückkehr seltener Pflanzen und Tiere, so etwa des Eisvogels, der Geburtshelferkröte oder der Ringelnatter.
Seine Tätigkeiten können aber auch zu Problemen führen. Etwa dann, wenn vom Biber gestaute Gewässer Äcker überschwemmen. Die Biberfachstelle des Kantons Zürich berät Betroffene, um Konflikte nachhaltig zu minimieren.
Auf dem Weg nach Biberbrugg?
Die im Kanton Zürich lebenden Biber gehen auf Aussetzungen im Aargauer Wasserschloss, an den Thurgauer Nussbaumerseen und dem Zürcher Thurspitz zurück. An der Limmat ist der Biber schon länger wieder heimisch. Nun hat sich diese Population vom Hauptbahnhof Zürich her, wo Limmat und Sihl zusammenfliessen, langsam der Sihl entlang ausgebreitet.
Wer weiss, vielleicht gelangen die Nachkommen der Wildnispark-Biber schon bald in den Fluss namens "Biber" bei Biberbrugg. Die "Biber" fliesst nämlich in die "Alp", einen Zufluss der Sihl. Via die "Biber" könnten sie das Moorgebiet von nationaler Bedeutung – Rothenthurm – besiedeln.
Bereits erobert hat der Biber den Horgener Bergweiher. Auch diesen hat der Biber mit hoher Wahrscheinlichkeit von der Sihl aus besiedelt. Der Abfluss des Horgener Bergweihers, der Wüeribach, fliesst nämlich im Wildnispark Zürich in die Sihl.
Zum Vergleich: Inzucht bei Luchs und Biber
Es gibt zwar wieder viele Biber in der Schweiz, aber sie stammen von maximal 140 Gründertieren ab. Ihre genetische Basis ist daher relativ eng. Bisher lassen sich bei der Schweizer Biberpopulation jedoch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen beobachten. Dies im Gegensatz zu den Luchsen, die in der Schweiz von nur zehn bis maximal zwanzig Tieren abstammen. Aktuell beteiligt sich der Wildnispark Zürich an Auswilderungsprojekten in Deutschland, um die dortige Luchspopulation zu stärken. In der Schweiz sind derzeit keine Auswilderungen geplant.



